Fasten: Gesunder Verzicht oder absoluter Wahnsinn? – TEIL 2

Wenn ich jetzt an fasten denke, dann ist es für mich mehr als nur auf Essen zu verzichten. Im ersten Teil zum Fasten hat sich alles noch sehr um das Thema Essen und Verzicht gedreht, was im Grunde nicht falsch ist, aber es ist eben nicht alles, wenn es um das Thema Fasten geht.

saft_teeEssen und Verzicht
Für mich als Essensliebhaber, Genießer und Feinschmecker war der Verzicht auf Essen eine harte Prüfung und ich dachte nicht, dass ich die ersten drei Tage überstehe, geschweige denn dass ich nach den ersten drei Tagen weiter mache. An Tag drei habe ich morgens von einem alkoholfreien Cocktail mit einer Steakbeilage geträumt (sehr gerne 300g schwer und medium-rare, bitte!). Da es ab dem vierten Tag besser werden soll, habe ich mich zur Motivation mit Karotten- und Gemüsesaft sowie entsprechenden Tees (Detox- und Abführtee) eingedeckt, um es zumindest bis Donnerstag zu überstehen. Aufgeben wollte ich nicht.
Die Entlastungstage und bisherigen Fastentage waren hart, insbesondere weil ich für das Fasten nicht extra Urlaub genommen habe, sondern es neben der Arbeit probieren wollte. Im Nachhinein würde ich das nicht unbedingt empfehlen, außer man ist kein Fastenanfänger und weiß mit den Konsequenzen des Fastens gut umzugehen. Ich hatte fast durchgängig Konzentrationsschwierigkeiten und war spätestens um zehn oder halb elf abends im Bett, weil ich dann müde wurde. So richtige Gelüste habe ich dann tatsächlich erst am Mittwochabend gehabt, also nicht einmal beim Kochen am Dienstagabend (Reis mit Apfelstückchen).

Das Fastenbrechen
Das Fasten habe ich Donnerstag früh, also nach sechs vollen Fastentagen, mit einem leckeren Frühstück gebrochen: Naturreis mit Beeren, etwas Milch und Kokosflocken. Ich hätte mich reinlegen können! Zum Mittag gab es Naturreis mit Apfelstückchen und Zimt und dass ich es abends nicht bei einer Suppe oder etwas Gemüse belasse war klar. Ich esse viel zu gerne und durch den Verzicht, hatte ich abends Hunger auf alles, was nicht niet- und nagelfest war. Von Schokolade über Käse und Brot war so ziemlich alles dabei. Da sich nach dem Fasten das Gewicht wieder einpendelt (Fasten ist KEINE DIÄT!!!), war es mir auch relativ egal, ob das jetzt gesund ist oder nicht. Etwas schlecht war mir nach dem ganzen Essen schon, aber kotzen musste ich nicht 🙂
reis_beeren_kokos

Die positiven Nebenerscheinungen des Fastens
Das Fasten kann geistige Klarheit fördern. Als ich das gelesen habe, wusste ich nicht wie sich das gestalten soll oder wie das genau funktioniert bzw. was passieren wird. Fange ich vielleicht an mir essentielle Fragen zu stellen? Fange ich an meinen Lebensstil in Frage zu stellen? Meinen Alltag? Meine Hobbies? Fange ich an mich in Frage zu stellen? Führe ich das Leben was ich führen möchte? Erlebe ich genug? Genieße ich genug? Lebe ich genug?
Die Antwort zur geistigen Klarheit kam Dienstagabend beim Kochen zwischen Reis und Äpfeln, einfach so ohne Vorwarnung haben mich die unterschiedlichsten Erkenntnisse überrollt. Mittwoch ging es weiter und Donnerstag waren die Erkenntnisse gefestigt und verarbeitet. Wohin mich das alles noch führt, weiß ich nicht genau, aber es war sehr angenehm festzustellen, dass ich mich mit dem Blog und meinen Hobbies schon auf den richtigen Weg begeben habe, mir hier ein Stück weit meine Selbstverwirklichung gelingt, die ich mir wünsche und ich mich dort so entfalten kann wie es mir gefällt, wie ich mich wohl fühle und ich insgesamt liebe, was ich in meiner Freizeit mache. Hört sich doch sehr großartig an, oder? Ich fand das herrlich und genieße es jetzt noch sehr 🙂

Warum habe ich gefastet?
Mein erstes Fasten mit 17 ging in die Hose (es ging genau über das Wochenende und ohne Vorbereitung oder Aufbautage) und ich würde es nicht als Fasten bezeichnen. Seit knapp zwei Jahren beschäftigt mich das Thema Fasten wieder und ich hatte mir schon so oft vorgenommen zu Fasten, weil mich der Prozess des Reinigens und Entschlackens fasziniert und ich ahnte wie bereichernd das insgesamt sein muss tatsächlich auf Essen verzichten zu können. Ich sah darin eine Herausforderung und eine Aufgabe, der ich mich gerne stellen würde. Mein größtes Problem war jedoch immer: Ich musste in der Zeit auch auf das Rauchen verzichten und das ist als langjähriger Raucher verdammt schwer. Ich müsste demnach auf Essen und Nikotin, eben zwei Genussmittel statt auf nur eines, verzichten.
Mit dem Rauchen wollte ich schon länger einmal aufhören. Leider sind die letzten zwei Versuche aus den üblichen Gründen gescheitert. Ich war noch nicht soweit aufzuhören und da reichte eine Kleinigkeit, die mich emotional aufwühlte, sodass ich wieder anfing. Und dann kam der Sonntag vor vier Wochen, an dem ich etwas dehydriert zu viel Bier und unzählige Zigaretten zum und nach dem WM-Fußballspiel hatte. Am nächsten Tag ging es mir so beschissen, dass ich keine Lust hatte auch nur eine Zigarette zu drehen. Mein Drehzeug landete im Küchenregal und ich habe seit diesem Tag keine einzige Zigarette mehr angerührt. Ich habe absolut keinen Schimmer was dieses Mal anders lief (anscheinend war es der richtige Zeitpunkt und die ideale Einstellung) und warum ich nach den ersten paar Tagen schon kein Bedürfnis mehr hatte eine zu rauchen, aber mit das erste was ich dachte war: Klasse, jetzt kann ich den Verzicht auf Nikotin als Anlass nehmen noch etwas gesünder zu leben und endlich mal fasten 🙂
Von den Strapazen des Essensverzichts mal abgesehen, war die Fastenzeit mit die schönste Zeit für mich, die ich seit langem hatte und für mich so schön genießen konnte. Ich wäre nie so schnell zu diesen schönen Erkenntnissen gekommen, ich hätte nie gespürt wie es ist auf etwas so Geliebtes verzichten zu können und es gleichzeitig so zu genießen darauf zu verzichten.

Habt ihr Euch auch schon mal einer schwierigen Aufgabe gestellt? Wenn ja, welcher? Und wie habt ihr sie gemeistert?

Fotostrecke: Hannah von Träum Weiter ♥