Aufgeben: Positiv, negativ oder irgendwas in der Mitte?

Wenn ich ans Aufgeben denke, ist das immer mit einem Hauch Negativität gefärbt. Aufgeben ist etwas Schlechtes, nur Verlierer geben auf, aufgeben zeigt Schwäche, aufgeben zeigt die eigene Unfähigkeit einer Aufgabe, einer Tätigkeit oder einer Sache nicht gewachsen zu sein. Aufgeben zeigt mir, dass ich etwas nicht geschafft habe, aufgeben zeigt mir, dass ich meine Grenzen kenne (oder denke sie zu kennen), aufgeben zeigt mir, dass ich den Mut habe mir einzugestehen, dass ich etwas (zumindest in dem Moment des Aufgebens) nicht beherrsche, etwas nicht zu Ende bringen kann.

Ich mag es nicht aufzugeben. Besonders nicht, bevor ich nicht versucht habe weiter zu machen.

Ich kann anfangen ein Bild zu malen und an der Stelle, an der ich nicht weiter komme, höre ich auf, beschäftige mich mit etwas anderem und das Bild landet unfertig in der Ecke. Ich habe es aufgegeben. Ich kann anfangen eine Sprache zu lernen und wenn mir die Grammatik oder die Ausnahmen bei den Verben zu schwierig werden, gebe ich mich mit dem Status Anfänger zufrieden. Ich habe es aufgegeben die Sprache weiter zu lernen.
Aufgeben muss aber nicht immer etwas Schlechtes oder Negatives sein. Wenn ich schlechte Gewohnheiten ablege, diese eben aufgebe, dann ist Aufgeben etwas sehr Positives und Bereicherndes. Wenn ich negative Gedanken, Launen oder Einstellungen aufgebe, die mich bremsen, mir nicht gefallen und mich stören, ist das großartig. Ich kann aber auch genauso gut jeden Tag leben wie den Tag davor ohne irgendeine Veränderung. Ich kann auch einfach alles so lassen wie es ist, das Leben leben ohne mir groß Gedanken darüber zu machen wie viel ich vielleicht schon aufgegeben habe (oder eben nicht) oder warum ich ständig aufgebe oder wie ich es schaffen könnte etwas disziplinierter zu sein, oder, oder, oder… Ich könnte leben ohne je etwas zu verändern, über irgendwas nachzudenken oder etwas anzugehen. Deshalb komme ich zu dem nichts- und doch vielsagenden Schluss:

Ich kann nichts aufgeben, was nicht vorhanden ist.

Inwiefern diese letzte Aussage nun positiv, negativ, inspirierend oder anregend ist, kann jeder für sich entscheiden.