Fasten: Gesunder Verzicht oder absoluter Wahnsinn? – TEIL 1

Beim ersten Mal ‚fasten‘ war ich 17 und das lief etwas unkoordiniert ab. Freitags hatte ich noch das Mittagessen gegessen und danach einfach aufgehört feste Nahrung zu mir zu nehmen. Das habe ich ganze drei Tage durchgehalten. Montag Mittag gab es dann Spaghetti Bolognese und ich habe wieder ordentlich zugeschlagen. Insgesamt würde ich das nicht als Fasten bezeichnen, sondern als jugendliche Schnapsidee à la ich-könnte-ja-mal-kurz-fasten. Das kurz und fasten sich ausschließt ist mir heute (und nun an meinem dritten Fastentag und den drei Entlastungstagen vorneweg) bewusst.
Aber was ist Fasten überhaupt und ist es tatsächlich nötig über Tage oder Wochen nichts zu essen?

Verzicht und Fasten
Wenn man darüber nachdenkt mit dem Fasten anzufangen, sollte man vorab wissen was fasten ist und welche Formen des Fastens für einen in Frage kommen.
Im Grunde ist Fasten der Verzicht auf Genuss- und Lebensmittel. Im weiteren Kontext kann auch der Verzicht auf andere Güter (wie Smartphone, Fernsehen, Auto…) eine Art von Fasten sein. Vor anderthalb Jahren habe ich mal über drei Monate auf Kaffee verzichtet und mache das heute noch ab und an wochen- oder tageweise. Das ist auch eine Art von Fasten, auch wenn es weniger ergiebig ist wie das Fasten aus dem Lehrbuch.
Beim ursprünglichen Fasten gibt es Formen, bei denen komplett auf das Essen verzichtet wird und bei denen ein geringes Maß an Essen erlaubt ist. Je nachdem wie man sich in dieser Hinsicht einschätzt und ob man es sich zutraut ganz auf feste Nahrung zu verzichten, entscheidet man sich dementsprechend für eine der Varianten. Ich habe mich für das Heilfasten nach Buchinger entschieden, bei dem Gemüsebrühe und Honig im Tee erlaubt ist. Ansonsten würde ich wahrscheinlich stündlich umkippen. Um das im Vorfeld zu vermeiden, trinke ich die Gemüsebrühe, wann ich Lust darauf habe und arbeite ggf. mit einem kleinen Eiweißshake nach dem Sport. Bei dieser Fastenkur sollen es täglich nicht mehr als 500 Kalorien sein, die über die Flüssigkeiten zugeführt werden.

Der Diät-Effekt, andere positive Nebenwirkungen und wichtige Punkte vorab
Eine ganz natürliche Nebenerscheinung beim Fasten ist, dass der Körper an Gewicht verliert, welches danach meist wieder dazukommt. Das steht beim Fasten jedoch nicht im Vordergrund. Beim Fasten geht es insbesondere darum den Körper von Schadstoffen zu reinigen, den Darm ordentlich durchzuspülen und dadurch das Immunsystem zu stärken. Außerdem soll der Verzicht auf Lebensmittel das Bewusstsein dafür verbessern wie lecker eine gewöhnliche Kartoffel oder eine Schale trockener Reis schmecken kann. Nach dem Verzicht soll man merken wie selbstverständlich die unterschiedlichsten Lebensmittel wahrgenommen werden und wie lecker sie eigentlich sind. Die Fähigkeit nach dem Fasten das Essen wieder mehr wertschätzen zu können stufe ich als unglaublich bereichernd ein. Auch fließen spirituelle Aspekte in das Fasten mit ein, die sich positiv auf Körper und Geist auswirken.
Insgesamt sollten einem vor dem Fasten ein paar Punkte bewusst sein sowie einige Fragen vorab geklärt werden:
1. Ist Fasten das Richtige für mich? – Wenn man sich nicht vorstellen kann eine Weile auf Essen zu verzichten, sollte man nicht fasten oder eine Form wählen, bei der man noch ein wenig essen darf.
2. Gibt es Menschen, die nicht fasten dürfen und zähle ich zu einer dieser Gruppen? – Es gibt tatsächlich Menschen, die nicht fasten sollten.
3. Warum faste ich? – Wenn einem kein Grund einfällt, sollte man nicht fasten.
4. Wie überstehe ich die Fastenzeit? – Diese Zeit ist kein Zuckerschlecken (im wahrsten Sinne des Wortes). Selbstdisziplin und Durchhaltevermögen sind die Eckpfeiler des Fastens.
5. Wie höre ich mit dem Fasten wieder auf? – Es gibt traditionelle Wege wie das Fastenbrechen mit einem Apfel zu Mittag und einer Gemüsesuppe mit Kartoffeln zum Abendessen. Insgesamt sollte beim Fastenbrechen darauf geachtet werden, nicht vom einen auf den anderen Tag die normalen Essgewohnheiten wieder aufzunehmen, sondern schrittweise den Grundumsatz zu steigern, um den Jojo-Effekt zu vermeiden.

Bisherige Erfahrung beim Heilfasten
Anfang der Woche habe ich meinen schon gut geleerten Kühlschrank geplündert. Als Abendessen gab es eine Gurke und einen Mozzarella. Ab Dienstag wurde alles auf eingeweichte, pürierte und/oder leicht verdauliche Lebensmittel umgestellt (Entlastungstage vor dem Fasten), was ich zunächst ganz gut verkraftet habe. Mittwochabend hatte ich einen kurzen Schwächeanfall (Sushi, ein kleiner Quinoa-Salat, Käse, Erdnüsse und alles schön durcheinander), weil ich auch schon die Menge an Essen, also die Kalorienzufuhr, reduziert hatte. Donnerstag wollte ich das umgehen und habe mir zum Mittag Wraps und kernlose Trauben geholt. Abends hatte ich das gleiche Problem wieder und musste dem mit Karotten und einer Scheibe Brot mit Butter entgegen wirken. Freitag war dann der erste Tag Fasten angesagt, bei dem es hauptsächlich um die Darmentleerung geht. Hierfür gibt es je nach Typ unterschiedliche Möglichkeiten zur Auswahl. Zunächst habe ich Rizinusölkapseln und Pflaumensaft verwendet, am Tag drauf habe ich Bittersalz eingesetzt. Der Effekt war in etwa der gleiche. Als Ausgleich und zur Unterstützung empfiehlt sich Heilerde. Pluspunkt: Nach dem Fasten, kann sie auch sehr gut als Gesichtsmaske eingesetzt werden 🙂 Fazit nach den ersten Fastentagen: Kein Schwächeanfall, kein Schwindel, aber ein wenig matter (was sich sehr angenehm anfühlt) als gewöhnlich. Ganz ohne Essen finde ich es dennoch schwierig, besonders an Arbeitstagen, weshalb ich sehr dazu tendiere spätestens ab morgen langsam auf ein anderes Programm wie z.B. die Schroth-Kur umzusteigen bzw. inspiriert davon zwei bis drei kleine Mahlzeiten in die weiteren Fastentage einzubauen. Schon an dieser Stelle muss ich feststellen, dass besonders in der häuslichen Umgebung und neben dem Alltag eine Fastenkur strikt nach Lehrbuch für mich nicht optimal ist.

Meine bisherigen Erfahrungen mit dem Heilfasten sind demnach ganz gut und Sport während dessen geht auch. Ich finde es bisher sehr empfehlenswert, auch wenn ich schon das Sparprogramm an den drei Entlastungstagen schwierig fand und die Vorstellung auf Essen zu verzichten zunächst fast unmöglich war, da das in meinen Augen absoluter Wahnsinn ist (es gibt so viel leckeres Essen und das war mir schon davor vollkommen bewusst, also WARUM faste ich nur???), kann ich dennoch sagen, dass es sich sehr gut anfühlt auch mal bewusst auf Essen verzichten zu können und dem Körper damit ein wenig Entlastung und Entschlackung zu schenken.

Nächster Blogartikel zum Fasten und Fastenbrechen voraussichtlich am 15.07.2018.

Fotostrecke: Hannah von Träum Weiter ♥