Gefühle: Selbstliebe oder über einen Weg sich selbst zu lieben

Liebe. Liebe ist ein großes Wort. Bedeutungsvoll. Romantisch. Gefühlsbetont. Die Liebe zu leckerem Essen, die Liebe zu eindrucksstarker Kunst, die Liebe zu schönen Worten in einem Buch, die Liebe zum Detail. Liebe. Die Liebe zwischen zwei Menschen, die sich verbunden fühlen, die sich schätzen, die ineinander aufgehen und sich achten. Liebe für einen Menschen, den wir aufrichtig lieben, weil es unser Herz fühlt. Liebe für ein Tier, das uns im Alltag begleitet und das wir ins Herz geschlossen haben. Liebe ist ein Gefühl und kann für vieles empfunden werden. Liebe ist ein Gefühl, das wir schwer fassen können. Liebe ist ein Gefühl, das in unserem Herzen entsteht.

Und wie sieht es mit Selbstliebe aus? Funktioniert sie nach dem gleichen Schema? Lieben wir uns selbst automatisch oder müssen wir manchmal erst lernen uns selbst zu lieben?

Zeit, Akzeptanz und Selbstliebe
Mit dem Schreiben, jedem Wort, das ich verschriftliche, jeden Gedanken, den ich ausschreibe, begegne ich mir selbst. Ich erfahre mich, merke wie nachdenklich ich zuweilen bin, wie verträumt, offen und auch mal gefühlvoll ich mich meinen Ideen, Empfindungen und Eindrücken hingebe und wie sehr ich diese Seite an mir mag (von der lebensfrohen, sonnigen und chaotischen Seite mal ganz abgesehen). Das war nicht immer so. Es gab auch Phasen, besonders während der Ausbildung und dem Studium, in denen ich diesen Raum, in dem ich mich entfalten und entdecken konnte, nicht in dem Maße hatte bzw. mir nicht gegeben habe. Phasen, in denen die Zeit fehlte, die Prioritäten anders lagen und vieles wichtiger schien, als mich auch mal nur auf mich selbst zu konzentrieren. Und nun? Nun habe ich die Prioritäten, die wichtigen Bausteine, die Zeit so gelegt, dass ich mich auch mal auf mich selbst konzentrieren kann. Doch reicht die reine Konzentration auf sich selbst, um sich auch selbst zu lieben? Reicht es sich Zeit für sich zu nehmen? Reicht es festzustellen was man an sich mag? Reicht das alles für Selbstliebe? Nur weil ich mir als Mensch in meinem Alltag mehr Zeit einräume, heißt das noch lange nicht, dass ich mich selbst liebe.

Selbstliebe fängt da an, wo Selbstakzeptanz aufhört.

Indem ich mich akzeptiere, habe ich schon einen sehr großen Schritt geschafft. Ich habe all das, was mich als Menschen ausmacht angenommen. Ich akzeptiere meine charmant-verrückte Art, wie ich dem Leben(salltag) begegne, mir für Freunde schöne Geschenke ausdenke und diese schön verpacke, meine Hobbies, wie ich schon beim Einsteigen in die Bahn überlege, ob ich vorne oder hinten aussteige, was darauf ankommt, wo ich hin möchte nachdem ich an der entsprechenden Haltestelle ausgestiegen bin (man könnte es vorausschauendes oder, wie ich es gerne formuliere, praktisches Denken nennen), mein lautes Lachen ab und an, meine chaotische und doch manchmal sehr perfektionistische Art die unterschiedlichsten Herausforderungen und Aufgaben anzugehen, meine vielseitigen Interessen, meine Freude Neues zu lernen, meine Begeisterungsfähigkeit und auch meine Schwächen (ich könnte jetzt noch weiter aufzählen, aber der Grundgedanke ist sicher klar).
Wenn ich nun einen Schritt weiter gehe und die Charakterzüge und feinen Eigenheiten an mir, nicht nur akzeptiere, sondern sogar mag oder – eben noch einen Schritt weiter – liebe, dann bin ich dem was Selbstliebe entspricht sehr nahe, wenn nicht sogar schon soweit, dass ich sagen würde, dass ich Selbstliebe empfinde. Ich habe demnach angefangen mich als Menschen zu schätzen, zu achten und mich zu lieben. Das kann ich auf unterschiedlichen Wegen erreichen. Einer ist der nicht gegen Schwächen anzukämpfen, sondern sie in etwas Positives zu verwandeln (die Energie sozusagen umzuleiten), aufrichtig zu sich selbst, seinen Eigenschaften und allem, was einen ausmacht zu stehen und sich das Positive daraus mitzunehmen sowie insgesamt weniger kritisch mit sich selbst zu sein bzw. weniger hart mit sich selbst umzugehen.
Wie das im Einzelnen funktioniert bzw. funktionieren kann?

Kleine Übung
(an dieser Stelle war ich sozusagen empathisch-kreativ und habe mir etwas für Euch überlegt):
Um die Übung auszuführen, habe ein Blatt und einen Stift zur Hand.
1. Überlege Dir jeweils 3-5 gute sowie schlechte Eigenschaften, die auf Dich zutreffen und schreibe sie auf.
2. Schreibe zu jeder der Eigenschaften einen Menschen, eine Tätigkeit und ein Gefühl auf, dass Du mit der Eigenschaft verbindest. Wenn Dir nicht zu allem etwas einfällt, ist das nicht schlimm.
3. Rufe Dir ins Gedächtnis welche schönen Momente Du durch diese Eigenschaft erlebt hast oder welche guten Erfahrungen Du durch diese Eigenschaft gesammelt hast.
4. Schaue auf das Blatt mit deinen tollen Eigenschaften, schönen Momenten und guten Erfahrungen, lächle und sage laut: Ich liebe mich!
Wenn es Dir darüber hinaus hilft, schreibe Deine Eigenschaften auf kleine Klebezettel,  verteile sie in der Wohnung (Kühlschranktür, Badezimmerspiegel,…), sodass Du Deinen wundervollen Eigenschaften jeden Tag begegnest.

Diese kleine Übung ist kein Patentrezept mit Erfolgsgarantie, aber kann Euch vielleicht auf dem Weg helfen, Euch reflektiert und mit einer positiven Sichtweise zu betrachten und Euch aufzeigen, dass Selbstliebe etwas Angenehmes und Schönes ist, das jeder mit sich tragen kann.

Wenn ihr die Übung gemacht habt, würden mich Eure Erfahrungen interessieren. Ansonsten sehr gerne Eure Sichtweise zum Thema Selbstliebe.
Dankeschön & alles Liebe ♥ Caro