Möbelstück aus Europaletten – TEIL 2: Die unsichtbare Couch und meine Einstellung zu einer Wohnung mit Baustellenflair

Zunächst einmal: Wie heiß ist es eigentlich momentan? Und hat irgendjemand eine kleine Klimaanlage, die er mir in meiner Wohnung installieren kann? So ein interner Lüfter wäre jetzt auch etwas Tolles – in Stufen einstellbar von Intensität und Temperatur. Die Wohnung heizt sich nämlich bei dieser Sonneneinwirkung (da verfluche ich das Flachdach und die schöne Lage fast) so schnell auf, dass eine Sauna ein Scheiß dagegen ist! Ich laufe gegen Wärmewände und alles klebt nach kurzer Zeit an mir, weil meine Schweißdrüsen denken sie könnten mal wieder ein bisschen was absondern um meinen Körper zu kühlen. Bähhhhh! Also seid mir nicht böse, wenn ich den Artikel kurz halte und danach schaue wie ich mich abkühlen kann.

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Ich hatte im ersten Teil zu dem Möbelstück aus Europaletten schon ganz kurz am Rande erwähnt, dass ich ein ziemliches Möbel-Chaos hinter mir habe. Nach diesem Chaos und weil ich danach gar keine Couch mehr in der Wohnung hatte, habe ich beschlossen selber eine kleine Couch zu bauen. Und so fing das Ganze an: Zunächst habe ich mich für die klassische Variante aus Europaletten entschieden – ebay Kleinanzeigen – kurz angeguckt – nicht schlecht – gekauft (3 Paletten zusammen 24 €). Dazu habe ich Schleifpapier, einen Schleifpapierhalter, Klarlack zum Grundieren und weiße Farbe (ich liebe weiße Möbel!) für den Anstrich gekauft.

Vorgehensweise
1) ggf. Zuschneiden schleifen
Die Paletten je nach Belieben zuschneiden. Ich hatte vor die Standardlänge (120 cm) zu lassen, aber von der Tiefe (ursprünglich 80 cm) etwas wegzunehmen, sodass die Paletten am Schluss nur zwei Querbalken statt drei haben (Tiefe: 48 cm). Hierfür reicht eine Handsäge.
2) Paletten abschleifen
Zunächst hatte ich keine wirkliche Ahnung, warum ich die Paletten abschleifen soll, aber Google weiß es. Kratzer, Schmutz, Splitter etc. werden durch das Abschleifen reduziert, die Oberfläche ist dadurch glatt und kann auch besser nachbearbeitet werden. Und schon wieder was gelernt 😉
3) Lackieren
Hier habe ich mit einem Klarlack aus dem Baumarkt die Paletten zunächst grundiert, 24 Stunden trocknen lassen und danach mit weißer Farbe angestrichen. Zum Auftragen der Farbe kann bei den größeren Flächen eine kleine Rolle mit Schaumstoffaufsatz verwendet werden, handelsübliche und breite Pinsel reichen aber auch vollkommen. Lack und Farbe vor dem Gebrauch gut umrühren, da sich schwerere Bestandteile am Boden absetzen können.
4) Paletten verbinden verbindung_paletten
Um die Paletten miteinander zu verbinden habe ich Löcher ausgemessen und diese entsprechend der 6 mm Schrauben in die Paletten gebohrt (4 Stück insgesamt, Aufsatz für Holz) und im Anschluss mit einer Mutter festgezogen. Ursprünglich sollte die kleine Couch noch eine Lehne bekommen. Da an den vorgesehenen Verbindungspunkten der Holzlatten die Höhenunterschiede zu groß waren und ich dadurch keine Winkel zum Verbinden anbringen konnte, muss die unsichtbare Couch auf eine Lehne verzichten und bekommt statt dessen den Namen „Bank“.
5) Filz-Gleiter anbringen
Um den Boden zu schonen, habe ich am Schluss noch Filz-Gleiter angebracht, die dafür sorgen, dass der Boden nicht unnötig demoliert wird.
6) Sitzpolster
Ein passendes Polster habe ich noch nicht rausgesucht, aber die selbst gestrickte Decke und zwei handgefertigte Kissen von arrivato sind für mich momentan perfekt und zweckmäßig.

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So und nun fragt ihr Euch was das vielleicht soll? Ist doch anstrengend etwas zu bauen und kaufen ist praktischer. Dachte ich auch. Als ich die große Couch für meine Wohnung gekauft hatte, war ich mir sicher sie lange zu behalten, jeden Tag zu benutzen und ständig darauf rumzulümmeln. Dass sich dann doch alles anders entwickelt hat, habe ich nicht wissen oder ahnen können. Als ich entschlossen habe die Couch zu verkaufen (und ich wusste ich würde nach einem knappen Jahr nicht mehr den vollen Preis für ein gebrauchtes Textilmöbelstück bekommen), habe ich für mich festgestellt, dass es vielleicht eine gute Idee wäre, Möbel entweder selber zu bauen oder günstig auf dem Flohmarkt bzw. bei ebay Kleinanzeigen zu kaufen, um auf Unvorhergesehenes oder gelegentliche Umräumaktionen (hier und da mag ich kleine Veränderungen sehr) flexibler und entspannter reagieren zu können und dabei keine größeren (teilweise auch finanziellen) (Möbel)Verluste zu machen.
Was ich noch gelernt habe? Ich genieße es an einem Möbelstück zu arbeiten, aber wenn meine kleine Wohnung anderthalb Wochen aussieht wie eine Baustelle, verträgt sich das mit meiner Leidenschaft für eine freie Wohlfühlfläche in der Wohnung etwas schlecht und wirkt sich kontraproduktiv und vollkommen unbewusst auf meine Stimmung aus. Fazit: Das ist wohl das erste und letzte größere Möbelstück, das ich vorerst selbst gebaut habe (außer ich ziehe in naher Zukunft in ein großes Loft mit viel Raum um, was unwahrscheinlich ist) und dabei denke ich nur an die Menschen in meiner näheren Umwelt, die ich vor meiner miesen Stimmung beschützen möchte, auch wenn sie nur ganz unterschwellig zu bemerken ist. Wer sich in einer Baustellenatmosphäre pudelwohl fühlt, der sollte sich trauen mal etwas selbst zu bauen, denn eines hat das Bauen und Basteln für sich: Es ist unheimlich befreiend und gleichzeitig entspannend, insbesondere das Streichen 🙂

Habt ihr auch schon mal etwas selbst gebaut oder gebastelt? Wenn ja, was und warum?
Ich bin gespannt auf Eure Antworten 🙂