Schönheit: Zwischen Schein und Sein

Schönheit. Schön. Das Schöne?

Was ist das Schöne? Und ist alles schön? Ist Schönheit subjektiv?

Eingepfercht von Werbereklamen mit makellosen Gesichtern, zwischen Models, die über den Laufsteg huschen, inmitten von schlanken, attraktiven Menschen, stehe ich. Mit meinen 1,75 m, einem normalen Gewicht und blonden Haaren erfülle ich vielleicht einige Ideale und dennoch finde ich mich nicht schön, sondern eher wie eine, in Struktur und Beschaffenheit, gewöhnliche B-Ware. Beim Blick in den Spiegel könnte ich manchmal kotzen: Meine Nase gefällt mir nicht (sie ist heute so knubbelig), mein Kinn steht zu weit vor, meine Lippen sind viel zu schmal und gerade heute habe ich einen dicken Pickel an der Backe. Im Grunde ein absolutes Luxusproblem.

Das erste Mal, dass ich mich mit dem Thema modeln beschäftigt habe war in der Grundschule und hielt nicht sehr lange an. Model werden? Ich? Puhhh, echt? Hmmm, vielleicht. Nicht. Das zweite Mal war beim ersten GNTM-Hype vor vielen Jahren mit dem Fazit, dass diese (schöne) Welt nicht so toll ist, wie es scheint. Die Mädchen stehen vor der Kamera, manchmal stundenlang, präsentieren ihren Körper und ihr Gesicht im besten Licht, ziehen sich einige Male um, neues Make-Up, neuer Look, alles von vorne und ja immer lächeln und nach zehn Stunden Arbeit gibt es noch einen Salat mit Pute an Essig-Öl-Dressing, natürlich ohne Kohlenhydrate und mit einem kleinen Zickenkrieg. Aber wo bleibt da der Mensch? Der Mensch, der sich hinter all dem verbirgt? Im Grunde ist er nicht in dem Maße auf den Bildern zu erkennen, denn das ist nur der Körper, nur ein gelungenes Objekt vor der Linse, der Träger eines Tops, das ich am Ende auf der Reklametafel gut finden und kaufen soll.

Was das Schöne ist?

Das Schöne an Menschen ist nicht ihre äußere Hülle, die in ein gutes Licht gerückt wird, oder ihre Gesichter, die makellos geschminkt abgebildet werden (auch wenn das schön aussehen kann). Das Schöne an Menschen ist die Kombination vieler Faktoren, Eigenheiten, die vielleicht zunächst im Verborgenen liegen, allen voran ein gesunder Humor und die Fähigkeit auch über sich selbst lachen zu können.
Lächeln und das mit den Augen.
Ein herzhaftes Lachen.
Ein offenes Ohr.
Aufrichtige Worte.
Zufriedenheit.
Charakter.
Mut.
Authentizität.
Offenheit.
Unvoreingenommenheit.
Begeisterung (auch für die kleinen Dinge im Leben)
Ausstrahlung (und die hat nichts mit der Optik zu tun).
Positivität und Energie.
Kreativität.
Empathie.
Natürlichkeit.
Lebensfreude.
Optimismus.
Und sicher noch einige Punkte mehr.

Menschen macht so vieles schön außer das Gesicht, der Körper und/oder tolle Haare (und wenn der Rest nicht stimmt ist nicht mal das schön – Sorry!). An dieser Stelle komme ich zu dem Schluss, dass ich vielleicht durchschnittliche B-Ware bin, aber aufgrund von anderen kleinen Faktoren, vielleicht doch schöner als ich mir beim Blick in den Spiegel selbst eingestehen würde, denn wenn ich die Augen schließe (die knubbelige Nase, das Kinn und der Pickel verschwindet) und mich betrachte, entdecke ich viele schöne Seiten an mir, die nicht äußerlich erkennbar sind, die nicht fassbar sind, die einfach da sind und das ohne dass ich eine dicke Schicht Mascara brauche um sie aufzuhübschen.

Was findet ihr an Euch schön, das nicht auf einen Blick erkennbar ist bzw. was schätzt ihr an Euch, das ihr schön findet? (Und nicht zu schüchtern, denn es gibt Eure schönen Seiten!)