Möbelstück aus Europaletten – TEIL 1: Das Möbel-Chaos

Eigentlich wollte ich keine Vorgeschichte zu dem Möbelstück machen, aber irgendwie habe ich dann angefangen zu schreiben und gemerkt, dass ein Zwei-Teiler ganz gut wäre zwecks Umfang 🙂

Die Wohnung
Ich habe eine ruhige, sehr kleine, aber charmante Wohnung, in die ich mich auf den ersten Blick verliebt habe (von der guten Straßenbahnanbindung in die Stadt, nahen Einkaufsmöglichkeiten und dem Wald in unmittelbarer Nähe mal abgesehen). Es ist eine Ein-Zimmer-Wohnung in U-Form mit knapp über 36 qm, einer pastellfarbigen Einbauküche in türkis, die ich sofort ins Herz schloss (und ja, es ist möglich zu Gegenständen eine emotionale Bindung aufzubauen), einem kleinen Balkon sowie einer doppelflügeligen Balkontür mit Rundbogen und zwei großen Fenstern auch mit Rundbogen (die Bögen sind einerseits klassisch und andererseits modern – classic-chic sozusagen und ich mag sie),

grundriss_wohnung

die alle auf eine Seite rausgehen. In dem einen Strich vom U befindet sich das Bett, in dem anderen ein schmaler Flur von dem ein kleines, innen liegendes Bad mit Tageslichtfenster an der Decke abgeht. Dazu ist sie in einem ruhigen Innenhof gelegen in dem Bäume und Rasen sind, was für mich unheimlich entspannend ist. Besonders im Sommer Sonntag morgens mit fast ausschließlich dem Vogelgezwitscher ist es das reine Paradies.

Möbel-Tetris
Ende August 2015 bin ich mit relativ wenigen Möbeln in die Wohnung eingezogen (das meiste aus dem Wohnheimzimmer war mit der Straßenbahn transportierbar). Zwei Möbelstücke aus der alten Wohnung vor dem Studium habe ich untergebracht, aber aufgrund der Größe und des Schnitts der Wohnung wollte ich nicht mehr rein stellen. Ich neige dazu mich von zu viel Kram und Möbeln schnell erdrückt zu fühlen und dann keine Luft mehr zum Atmen zu haben, weshalb in meiner Wohnung auch genau ein Bild hängt (eine große Weltkarte im Vintage-Stil) und ich regelmäßig kontrolliere, ob ich noch was ändern könnte, um noch mehr Platz zu haben oder es anders zu gestalten, dass es so aussieht oder sich so anfühlt als hätte ich mehr Platz. Manchmal geht der Platz einfach vor: Was würde ein Riesenesstisch mit acht Stühlen in meiner Miniküche suchen? Wahrscheinlich Platz, so wie ich, wenn ich einen rein stellen würde.
Also bin ich mit folgenden Möbeln in die Wohnung gezogen:
Ein großer Schreibtisch (also eher eine riesige Küchenplatte mit vier Füßen aus Edelstahl), ein Schreibtischstuhl, ein Highboard, eine Kommode, eine 2-Sitzer-Couch, ein Bett, ein hoher schmaler Schrank. Wer sich fragt, wo der Fernseher steht: ich habe keinen (dafür Netflix, You Tube & Co.) und das schon seit ein paar Jahren nicht. Und das Verrückte: Er fehlt mir keinen Tag. Ich habe auch noch zwei Holzregale und zwei Mini-Regale, aber die sind platzmäßig nicht der Rede wert und beide noch in der Wohnung 🙂
Zwischen Ende August 2015 und dem Frühjahr 2018 liegen gut zweieinhalb Jahre, in denen ich umgeräumt, Möbel weg gegeben, Möbel gekauft, Möbel in den Keller und in die Abstellkammer verbannt habe. Zwischenzeitlich befand sich in meinem Wohn-/Ess-/Schlafbereich nur eine Couch, eine Kommode und das Bett. Dieser Freiraum war unglaublich schön und eine Decke als Esstisch ist auch vollkommen ausreichend (ich fand das super und nach dem Frühstück die Decke einfach ausschütteln und zusammenfalten zu können war so simpel und funktional). Aber wie es nun mal ist, habe ich doch mal wieder umgestellt. Als ich die Couch im Herbst 2016 weg gegeben hatte und dann ein dreiviertel Jahr ohne gewohnt habe (es ist faszinierend an was man sich alles gewöhnen kann), sollte es doch wieder eine Couch in der Wohnung geben, habe etwas später einen niedrigen Holztisch für den Essbereich in der Küche geholt (zum einen inspiriert vom Sol y Mar, einem Restaurant bei dem man auf dem Boden sitzen und essen kann – ich finde das absolut großartig! Außerdem dachte ich, dass dieses klassisch-koventionelle am-Tisch-sitzen in Restaurants, im Büro oder bei Freunden reicht, also warum dann auch noch daheim?), mein Computer stand mittlerweile auf einem kleinen quadratischen Massivholzisch von ebay Kleinanzeigen und der Kreativkram (Pinsel, Farbe,…) hat in einer Holzkiste Platz gefunden. Mehr hatte ich nicht im Wohnbereich und es war so vollkommen in Ordnung.

Frühjahr 2018
Als ich die alte Nähmaschine von meinem Papa bekam, denn er hat sie nicht mehr benutzt und ich möchte endlich richtig nähen lernen, und mehr Platz zum Arbeiten brauchte, musste ich überlegen wie ich meine Wohnung mal wieder umräume, damit ich einen Computer-Arbeitsplatz und einen Arbeitsplatz zum Nähen habe. Wie ich es auch versucht habe zu drehen und zu wenden (ich habe sogar mit dem Gedanken gespielt in eine größere Wohnung umzuziehen – am liebsten in ein Loft, mit wenigen Wänden, viel Raum und Helligkeit), musste ich eine Entscheidung treffen. Ich wog ab:
Möglichkeit 1: Die Nähmaschine kann ich wegen des Pedals schlecht auf den niedrigen Tisch in der Küche stellen zwecks Feingefühl für das Pedal.
Fazit: Das mit dem Feingefühl geht im Schneidersitz etwas schlecht.
Möglichkeit 2: Ich könnte den quadratischen kleinen Tisch abwechselnd in Computer- und Nähtisch umwandeln.
Fazit: Viel zu stressig!
Möglichkeit 3: Ich verkaufe den niedrigen Holztisch und stelle den alten großen Schreibtisch in die Küche.
Fazit: Um Filme zu gucken müsste der Computer dennoch bei der Couch bleiben, die im Wohn-/Schlafbereich steht und dann wäre es wieder so eng in der einen Ecke. Also nein!
Möglichkeit 4: Ich werde die Couch los und gewinne dadurch wieder Platz für den großen Schreibtisch auf dem der Computer und die Nähmaschine Platz haben.
Fazit: Möglich, denn die aktive Benutzung der Couch (auch durch mich selbst) kann ich locker an vier bis fünf Händen in dem knappen Jahr abzählen, die ich sie hatte (sie hat sich im Lebensalltag nicht als besonders zweckmäßig erwiesen), sodass es ein verschmerzbarer Verlust wäre.
Also verkaufte ich die Couch und stellte den großen, alten Schreibtisch wieder auf, den ich mir vor einigen Jahren nach meinen Vorstellungen genau so zusammen gestellt hatte. Der quadratische Tisch steht mittlerweile mit bisher drei Stühlen (die alle unterschiedlich aussehen und ich weiß noch nicht genau, ob ich damit klar komme, aber ich denke es geht irgendwie) vom Flohmarkt in der Küche und hinter dem niedrigen Tisch im Wohnbereich steht das Möbelstück aus Europaletten.

Wie ich das Möbelstück aus Europaletten schließlich gebaut habe, wie das gute Stück nun im Ganzen aussieht und was ich daraus gelernt habe, lest ihr im Blogbeitrag am 31. Mai 2018.