Glück: Zwischen Konsum, Minimalismus und Mode

Glück?
Ja, Glück! Glück ist, egal wie betrachtet, etwas Subjektives, denn jeder definiert Glück anders und ist nicht aufgrund der gleichen Dinge glücklich wie andere bei derselben Sache oder Situation. Glück kann demnach sehr vielseitig sein. Glück zu haben und glücklich zu sein ist auch nicht das Gleiche. Glück habe ich, wenn ich die Bahn bekomme, obwohl ich zu spät aus dem Haus gegangen bin. Glücklich sein ist ein Gefühl, das ich habe, wenn ich morgens die Augen öffne und die Sonne scheint, mir eine einzigartige Fotografie gelingt oder, oder, oder…, aber in jedem Fall bedeutet glücklich sein zu können Glück zu haben.

Konsum & Minimalismus
Minimalismus? Schon mal gehört? Wenn nicht, könnt ihr es gerne googeln (übrigens eine meiner liebsten Beschäftigungen, wenn ich mal was nicht weiß oder etwas genauer wissen möchte, was ziemlich oft vorkommt). Ich kann Euch aber auch eine kurze Definition mit an die Hand geben, die ich für mich festgelegt habe:

Minimalismus bedeutet nicht, wie viele es vielleicht vermuten, dass ich von heute auf morgen alles was ich besitze in Säcke packe und entsorge, damit sich in meinem Haushalt nur noch genau eine Sache von allem befindet was ich zum Leben brauche. Ich kann auch minimalistisch leben und trotzdem zehn T-Shirts im Schrank haben.
Es geht beim Minimalismus viel mehr darum sich bewusst zu überlegen was man tatsächlich braucht und was nicht. Es geht um die Einfachheit des Lebens und darum mit dem bisschen was man hat trotzdem oder genau deshalb glücklich, wenn nicht sogar glücklicher, zu sein, weil der ganze Ballast, denn man nicht für notwendig erachtet, gar nicht erst entsteht. Im nächsten Zug wird natürlich der Konsum der Dinge auf das Notwendigste minimiert und sich vor dem Kauf einer Sache drei Mal überlegt, ob das entsprechende Stück oder auch Lebensmittel Verwendung findet oder eher als belastender Bestandteil in meinem Leben landet. So viel zu meiner Definition von Minimalismus.

Und warum jetzt das Ganze? Warum sollte ich minimalistisch leben?

Hmmm… gute Frage. Bei mir kam das irgendwie schleichend. Zum einen, weil es mir irgendwann zwischen Mitte 2012 und Studienbeginn im Oktober 2013 zuwider war shoppen zu gehen (die Produktionsbedingungen für Kleidung sind übrigens zum Großteil absolut grauenhaft! Filmtipp: The true cost, z.B. auf Netflix) und trotz dass ich das bis dahin sehr gerne gemacht habe, habe ich immer häufiger danach festgestellt, dass mich das nicht langfristig glücklich und zufrieden macht. Als ich mit 26 Jahren angefangen habe zu studieren und aus finanziellen Gründen nicht mehr die Möglichkeit hatte Unmengen an Geld für Kleidung auszugeben und mir es an nichts fehlte, habe ich mir immer öfter überlegt, was ich tatsächlich brauche und was nicht, hinterfragt was nötig, was verschwenderisch und was unvernünftig ist. Von der Notwendigkeit, kam ich dann zum Thema Glück, weil ich trotz des einfachen Lebens Dinge brauche, die mich in meiner Freizeit glücklich machen.

Was macht mich glücklich?
Dinge über die ich blogge bzw. das Bloggen und Schreiben an und für sich, mit allem was dazugehört (ich mag diesen Raum sehr, den ich mir dadurch als Mensch gebe, natürlich in der Hoffnung anderen in irgendeiner Weise etwas mit auf ihren Weg geben zu können), den minimalistischen Lebensstil mit eingeschlossen, der sich hier und da in Beiträgen zeigt, Lächeln (am liebsten immer wenn es geht), Spaziergänge, Zeit für mich zu haben und meine Zeit sowie Energie für die Dinge nutzen zu können, die ich gerne mache, sei es allein oder gemeinsam mit Freunden, der Sonnenschein, die Freude anderer Menschen, Kunst (wenn ich dafür Zeit habe genieße ich das sehr), Kreativ zu sein (egal wie), die Ruhe auf meinem Balkon an einem Sonntagmorgen und die Fähigkeit, die Dinge anzupacken, die ich gerne anpacken möchte. Das Fotografieren nimmt dabei einen besonderen Stellenwert ein: Ich habe nirgendwo die Ruhe, Zufriedenheit und das Glück so sehr gespürt, wie in dem Augenblick wenn ich meine Kamera in der Hand habe und anfange zu fotografieren. Dieses Gefühl, dass in dieser Zeit nichts wichtig, nichts von Bedeutung ist, als die Momente, die mir vor die Linse kommen, einzufangen. Das ist das größte Geschenk, was ich mir in den letzten Jahren selbst gemacht habe (die Kamera habe ich seit September 2017) und von dem ich mein Leben lang zehren kann. Die Liste der Dinge, die mich glücklich machen ist sicher noch nicht komplett (Käse, Butter, ein schönes Wort, das mir gefällt, dunkle Schokolade…) – es gibt eben so viele großartige Sachen 🙂

Und die Mode?
Trotz dass ich mich immer noch als ein kleines Modeopfer sehe (die Nähmaschine für eigene Kreationen steht schon in der Wohnung), denn ich habe unglaubliche Freude daran Outfits zusammen zu stellen (das hatte ich schon als Kind bzw. Teenager und die Frage: ‚Was ziehe ich denn dazu an?‘ war mehr ein Claim zu meiner Person als eine wirkliche Frage), Kleidungsstücke neu und anders zu kombinieren, stehe ich dem Thema Shoppen (egal in welchem Bereich) mittlerweile viel kritischer gegenüber und wirklich glücklich macht es mich eben nicht. Die Freude, wenn ich mal ein schickes Teil im Second-Hand-Laden finde oder zufällig auf ein Oberteil stoße, bei dem ich weiß, dass es Potential zu einem Lieblingsstück hat, ist dennoch da. Außerdem gibt es diese besonderen Anlässe wie Veranstaltungen (z.B. der Da Wanda-Handgemacht-Markt) oder ein Urlaub, bei dem ich mir gerne eine schöne modische Erinnerung mitnehme und mich daran auch noch im Nachhinein erfreue.

Fazit
Meine Art Minimalismus ist vielleicht nicht wie im Lehrbuch oder nach der Definition, aber einen Weg zu finden, nicht viel zu brauchen um glücklich zu sein und sich nicht als Bestandteil der konsumorientierten Gesellschaft zu fühlen, ist dem Grundkonzept des Minimalismus zumindest nah. Und so lange ich mit dieser Art zu leben glücklich bin, kann es so falsch nicht sein, oder?

Und nun gerne an Euch: Was macht Euch glücklich oder seid ihr noch auf dem Weg herauszufinden, was Euch glücklich macht? Was hindert Euch eventuell daran? Auf was könnt ihr nicht verzichten, was Euch Freude bereitet? Oder habt ihr Euch die Frage noch nie gestellt?

Foto: Hannah von Träum Weiter