Spaziergang: Über das Gehen

Ich mag Spaziergänge sehr, also darf ich vorstellen: mein rechter und mein linker Fuß.

rechter_linker_fuss

Was ist Gehen?

Gehen ist zunächst einmal die Beschreibung, wenn ein Mensch seinen linken und rechten Fuß abwechselnd voreinander setzt und dabei ein mäßiges Tempo behält. Eben kein Joggen, aber auch kein schneckenartiges Schleichen.

Und was passiert beim Gehen?

Da das Gehen ein automatisierter Ablauf ist über den wir uns nicht weiter den Kopf zerbrechen müssen, passiert beim Gehen genau das, was passieren soll. Wir haben uneingeschränkten Zugriff auf alle unsere Sinne. Der Fokus liegt mehr auf der Umwelt, das was uns umgibt und nicht auf dem was wir gerade daheim vor uns hätten, sei es auf dem Schreibtisch oder auf der Arbeitsplatte in der Küche. Das Gehen gibt uns den Raum, den wir wonders nicht haben (vorausgesetzt wir laufen nicht zu einem Termin oder Ähnlichem oder können weder Tisch noch Arbeitsplatte ausblenden), es gibt uns die Möglichkeit ganz bei uns zu sein und doch unsere Umwelt wahrzunehmen. Das Gehen gibt uns die Chance, dass das was woanders wichtig wäre genau in dem Moment nicht als wichtig einzustufen. Wir sind da und gehen – nicht mehr und nicht weniger. Entspannt und mit einer Ruhe, die nichts durchbrechen kann.

ast_wald

Wenn wir also während des Gehens den Blick auf den erdigen Waldboden richten, nehmen wir jedes Detail wahr, sehen jeden abgebrochenen Ast auf dem Boden, die vielen unzähligen Blätter, die wie zu einem Bett auf der Erde zusammenliegen und riechen die kühle, feuchte Waldluft, die vor unglaublicher Reinheit zu strotzen scheint. Wir streichen über den Baum am See, fühlen die Unebenheiten in der Rinde, berühren die Erde am Boden und fühlen die kleinen Körner, wenn wir die Fingerspitzen aneinander reiben.

Das Gehen ist demnach eine schöne Möglichkeit all das was uns umgibt wahrzunehmen, abzuschalten und den Kopf frei zu bekommen. Die einzige Voraussetzung dafür sind ein rechter und ein linker Fuß sowie die Überwindung des inneren Schweinehundes, also mal mehr als nur die 50 Meter zur nächsten Haltestelle oder dem Auto zu laufen und die Fähigkeit genau in dem Moment alles andere (un)wichtige auszublenden.

Tipp
Einfach mal alles stehen und liegen lassen, Hausschlüssel schnappen und nach draußen in das nächste Waldstück laufen.