Zukunft: Vom Erwachsen werden…

Zukunft.

Als Kind möchte man oft nur eines: Groß und erwachsen werden, besser gestern als übermorgen, besser schnell als langsam. Je älter man wird, desto öfter steht man vor Entscheidungen, die im Optimalfall nicht mehr die Eltern treffen: Was möchte ich lernen? Welche Ausbildung möchte ich machen? Was und wo möchte ich studieren? Welche Wege gehe ich und wo möchte ich hin? Aber gehört das schon zum Erwachsen werden dazu? Gehört zum Erwachsen werden dazu seinen Weg zu pflastern? Ist das nicht eher das notgedrungene Übel der Konventionalität der Gesellschaft in der wir leben? Was würde passieren, wenn wir uns nicht für den einen Weg entscheiden? Wäre das so viel schlechter?

Früher
Als ich noch nicht einmal sechszehn war, wurde ich bei gefühlt nahezu jeder Familienfeier von den unterschiedlichsten Menschen gefragt was ich denn werden möchte. Als kleines Kind hatte ich viele Antworten parat (so wie vielleicht fast jeder von uns): Modedesignerin, Schauspielerin, Stewardess, Künstlerin. Im Teeniealter hat mich diese Frage manchmal genervt, weil ich sie mir bis dahin selbst noch nicht beantwortet hatte. Ich war noch ein Kind. Warum sollte ich mir über Sachen Gedanken machen, die noch so weit in der Zukunft liegen. Warum sollte ich jetzt schon Entscheidungen treffen, die ich erst in ein paar Jahren treffen muss? Warum konnte ich das Leben bis dahin nicht einfach genießen und mir eben keinen Kopf darüber machen was in fünf Jahren mal vielleicht ist?

Mit 18
Irgendwann wurde ich achtzehn. Ich war zwar volljährig, aber noch lange nicht erwachsen, hatte noch drei Jahre bis zum Abitur, hatte noch genügend Zeit. Die Zeit wurde dann immer knapper und ich musste mir die unangenehme Frage beantworten: Was möchte ich nach der Schule machen?

Heute
Jetzt mit fast 31, einem Lebenslauf, der sich nicht gerade wie ein Märchenbuch liest, weil ich mir dann doch zwei Jahre (mit Jobs und Praktika gefüllt) bis zu meiner ersten Ausbildung Zeit genommen habe, würde ich mich immer noch nicht als erwachsen bezeichnen, trotz dass ich eigene Entscheidungen getroffen habe und treffe, gelernt und studiert habe. Ich spüre immer noch das Kind in mir, das dem Leben und der Welt gerne unvoreingenommen und offen begegnet, die Welt um sich gerne als einen Raum der Entfaltung betrachtet, neu- und wissbegierig ist, den Alltag gerne mit einem Lächeln begegnet (denn eine ernste Miene macht einfach verdammt schlechte Laune) und sich Zeit für die kleinen und schönen Dinge im Leben nimmt.

Vielleicht ist genau das der Punkt beim Erwachsen werden: Trotz dass wir uns nicht erwachsen fühlen, sind wir es schon längst.

Was ich heute noch mache? Vielleicht das Bad putzen (weil ich gestern dazu keine Lust hatte und mir niemand sagt, dass ich es muss), vielleicht raus gehen die Sonne genießen (mit Kamera) und dann wieder in meine Wohnung zurück gehen, die ohne Eltern, ohne Regeln, die mir aufgestellt werden und mit einem Stück Freiheit verbunden ist, die ich mir selbst erarbeitet habe.

Irgendwie erwachsen.

Und nun an Euch: Was wolltet ihr werden als ihr klein wart?

Foto: Hannah von Träum Weiter